Hausmann in Teheran und Kairo
Am 1. Oktober 1999 war es wieder soweit. Ich wurde abermals unter Wegfall der Bezüge beurlaubt, für zunächst 3 Jahre, da meine Frau zu Ende Oktober nach Teheran an die dortige Botschaft versetzt wurde. Da ich ja schon als Sicherheitsbeamter dort im Jahre 1988 meinen Dienst verrichtet hatte, kannte ich mich ja bestens aus und konnte in diesem Fall meiner Frau eine wirkliche Hilfe bei allem sein.

Die Wohnungssuche fand zwei Monate vorher statt. Neben vielen großen und dunklen Villen sahen wir auch das eine oder Appartement. Doch fanden wir alle nicht gerade so, dass man hätte dort einziehen müssen. Erst am Schluss der Suche fanden wir ein kleines und gemütliches Haus, wo der Vermieter gleich nebenan wohnte. Ausreichend große Zimmer, einen Kamin im Wohnzimmer, der allerdings nur ein Gaskamin war und Platz unter dem Dach, wo ich mit dem Bau meiner Eisenbahn beginnen konnte. Draußen gab es einen kleinen Pool von 6 m x 2 m, der auch noch beheizbar war. Eine kleine Sauna unten im Keller rundeten das schöne Bild ab.

Das Grabmal von Chomenie. Da ich Teheran ja schon kannte, fiel mir die Eingewöhnung nicht schwer. Freunde von 1988 waren auch noch da und viele der deutschen Ortskräfte in der Botschaft kannte ich noch. So fühlte man sich gleich wieder heimisch. Allerdings musste ich nun herausfinden, wo der Bäcker, der Supermarkt oder der Metzger seinen Laden hatte. Hier half mir unser Vermieter, der sehr westlich orientiert war.

Schnell hatte ich herausgefunden wo ich mich hinwenden musste, um das eine oder andere zu erledigen. Hier war ich nun auch Fahrer meiner Frau. Der Verkehr war chaotisch und zu alle dem waren die iranischen Fahrer zum Teil auch noch aggressiv dabei. Verkehrsregeln gab es nur auf dem Papier. Solange nichts passierte, war alles, was man im Straßenverkehr machte, richtig. Die Polizei machte es sogar vor und in der Fahrschule lernte man sehr schnell, dass Einbahnstraßen auch in beide Richtungen zu befahren sind.

Hier hatte ich auch meinen ersten Unfall. Zwar traf mich keine Schuld, doch war ich Ausländer und hatte deshalb sehr schlechte Karten. Die Polizei sprach kein englisches Wort und ich kein Farsi, die Landessprache im Iran. Also sprach man mit Händen und Füßen. Zur Hilfe kam mir dann ein Iraner, der der Deutschen Sprache mächtig war. Er bot mir seine Hilfe an, die ich dankend annahm. So machte er mich darauf aufmerksam, dass der Unfallgegner der Polizei versuchte klar zu machen, dass mein Schaden schon vorher Bestand hatte. Meine vordere Stoßstange stand in einem Winkel von etwa 45 Grad ab, da mir mein Unfallgegner diese von der Seite kommend gerammt hat.

Irgendwann war das Palaver zu Ende und der Polizist setzte mir einen Jungpolizisten ins Auto, der mir den Weg zu einer Polizeiwache zeigen sollte, bei der die Unfälle aufgenommen wurden. Da mein Unfallgegner keine Papiere dabei hatte, musste man am nächsten Tag wieder kommen. Um 10.00 Uhr, es war die vereinbarte Zeit, standen wir auf der Matte. Man sagte uns jedoch, dass für heute schon genug gearbeitet wurde und wir morgen nochmals kommen sollten. Also alles zurück und auf den nächsten Tag geschoben. Nachdem alles erledigt war, Unfallbericht, diverse Unterschriften und Stempel, konnte ich zu der Versicherung des Unfallgegners gehen. Die hatte natürlich schon zu. Also am nächsten Tag hin. Keiner konnte Englisch oder eine andere lebende Sprache. So ging ich am nächsten Tag mit unserer Maid, die sprach Englisch, dorthin und wickelte alles ab. Insgesamt 5 Tage dauerte die Prozedur, bis ich endlich eine Werkstatt aufsuchen konnte, wo der Schaden behoben wurde. Acht Tage später stand das Auto wieder vor der Türe und strahlte, als wenn nichts gewesen wäre.

Während unserer Zeit machten wir natürlich auch viele Reisen. Persepolis, Isfahan und das Kaspische Meer standen auf dem Programm. Unter Hobby kann man zu den Reisen mehr erfahren. Viele iranische Freunde hatten wir. Lernten wir doch so am besten das eine oder andere über die Leute und das Land. Aber auch in der Community der Deutschen hatten wir viele Kontakte. Da auch hier unseren Gästen meine Kochkunst gefiel, kamen zu meinen Hobbys noch ein weiteres dazu.

Ich fing an, auch für andere zu kochen. Da gab es den Kanzler der Botschaft, der Junggeselle war und von seiner iranischen Maid bekocht wurde. Wir kannten ihn aus unserer Zeit in Bangkok. Nach einem Essen bei uns, wo ich am Tisch aus dem Wok kochte, fragte er mich mal, ob ich denn auch mal bei ihm kochen würde. Meine Antwort lautete damals, man kann mich mieten. Nachdem er sich dann nochmals rückversichert hatte, bekam ich meinen ersten Auftrag. Abendessen für 8 Personen. Es gab asiatisches Essen, zu dem ich auch noch persönliche Menükarten am PC erstellt hatte. Alle waren zufrieden und ich hatte eine neue Aufgabe.

Grab eines iranischen Politikers.
Einige Wochen später bekam ich die Anfrage, bei iranischen Freunden ein warm/kaltes Buffet für 25 Personen zu erstellen. Also kaufte ich Teller, Besteck, Platten und notwendige Schüsseln und machte mich an die Planung. Es war mein erstes Essen für so viele Leute und naturgemäß ist man da schon so etwas wie nervös. Ich plante auf dem Papier, stellte die Speisen zusammen und machte mir Einkaufszettel. Da es in dem Land nicht immer gerade das gibt, was man so benötigt, trat ein weiteres Hindernis auf. Man musste auch noch improvisieren.

Nachdem alles fertig war und die Gäste zufrieden und voll des Lobes, war ich ein wenig Stolz auf mich. Daraus entstand dann eine weitere Tätigkeit, mit der ich meine Zeit vertreiben konnte. Es sollte aber kein ausfüllender Job werden, weshalb ich natürlich keine Werbung machte. Lediglich von Mund zu Mund trug es sich weiter, dass bei mir Essen geordert werden konnte, was ansonsten in Teheran nicht angeboten wurde. Es machte und macht immer noch Spaß, doch Geld damit verdienen und meinen Lebensunterhalt davon bestreiten müssen, möchte ich nicht. Ab und an für andere kochen oder ein Buffet erstellen ist aber OK.

Spinx in Kairo Im September 2001 stand mal wieder ein Umzug an. Es war der 13. in meinem Leben. Ein so genannter Ortsumzug. Unser Vermieter wollte den Mietvertrag nur noch mit drastischen Erhöhungen verlängern, was jedoch unseren Rahmen sprengte. Also beauftragten wir mal wieder einen Makler. Während meine Frau ihrem Job nachging, fuhr ich mit diversen Maklern in der Stadt herum, um mir die verschiedenen Objekte anzusehen. Wir wurden auch recht schnell fündig.

Im Stadtteil Darrus, fanden wir unser neues Zuhause. Ein Appartement, für iranische Verhältnisse sehr elegant und mit westlichen Fenstern versehen, war für uns ein Glücksgriff. Tiefgarage, Schwimmbad und Sauna im Keller. Schwimmbad und Sauna konnte jedoch nur an den für das jeweilige Appartement zugewiesenen Tagen genutzt werden. Es gab da die sogenannten Family-Days. An diesen Tagen konnte dann die ganze Familie Spaß haben, jedoch nicht mit anderen Bewohnern des Hauses.

Es war Oktober 2003 und der nächste Umzug sollte stattfinden. Es ging nach Kairo. Bereits im August flogen wir dorthin, um uns eine Wohnung zu suchen. Eine ganze Woche ließen wir uns von verschiedenen Maklern durch die Stadt fahren oder uns außerhalb der Stadt in Compounds Häuser zeigen. Wir wurden nicht fündig. Nicht, dass unser Geschmack oder unsere Erwartung zu hoch gewesen sei, nein, es war der Dreck der Umgebung oder der miserable Zustand der Wohnungen, der uns abschreckte. Wir flogen also unverrichteter Dinge wieder zurück.

Ein Haus fanden wir erst, als wir endgültig nach Kairo geflogen sind. Der Container war unterwegs und wir die ersten drei Wochen im Hotel. Von dort aus führ ich also wieder mit den Maklern durch die Gegend. Nach fast 2 Wochen war ein Haus gefunden und der Mietvertrag unterschrieben. Nach drei Wochen zogen wir bereits ohne unsere Möbel ein, da uns der Vermieter freundlicherweise ein Bett zur Verfügung gestellt hatte. Küche war ebenfalls nutzbar und einen kleinen Fernseher mit deutschen Programmen hatten wir ebenfalls. Wir mieteten uns einen Wagen, damit wir die 36 Km, die das Haus von Kairo entfernt lag, überbrücken konnten.

Zum Mietvertrag gehörte auch ein Anhang, der diverse Arbeiten auflistete, die noch am oder im Haus gemacht werden mussten. Die ersten "Handwerker" kamen auch schon gleich in der ersten Woche. "Handwerker" deshalb, weil es ein Graus war, denen bei der Arbeit auf die Finger zu schauen. Facharbeiter waren das nicht. Nach zwei Monaten monierten wir bei unserem Vermieter, ein ehemaliger Luftwaffengeneral, dass noch über 80% der Arbeiten unerledigt seien. Außer Versprechungen, dass demnächst alles gemacht würde, geschah nichts.

Es zog sich die Zeit und wir lebten in einer Baustelle. Unsere Möbel kamen inzwischen, wurden eingeräumt und wir dachten, dass nun alles in Kürze gemacht werden würde. Weit gefehlt. Im Dezember 2003 hatten wir ein ernstes Gespräch mit dem Vermieter. Entweder er sorgte nun für Abhilfe, oder wir würden das Haus verlassen. Wir hatten 6 Monatsmieten plus eine Monatsmiete Kaution bereits gezahlt. Das Gespräch eskalierte, da ich ihm Nichtstun vorwarf und er sich dadurch wiederum in seiner Ehre gekränkt sah. Kurz um, wir zogen Ende Februar aus und bezogen ein neues Domizil, etwa 8 Km davon entfernt.

Hotel am Roten Meer bei Nacht.
Von unserer Kaution oder der voraus gezahlten Miete sahen wir keinen Pfennig. Im Gegenteil. Wir wurden durch diesen Vermieter massiv daran gehindert, mit dem Möbelwagen den Compound zu verlassen. Erst unter Einschaltung der State Security, ein Bereich der Polizei, der ausschließlich für Diplomaten zuständig ist, gelang dies und wir konnten so unseren Auszug abwickeln. Das war aber noch nicht alles. Im weiteren Verlauf bekamen wir Schreiben seines Anwaltes und Vorladungen zum Gericht. Er hatte uns auf entgangene Mieteinnahmen verklagt. Gott sei Dank genießen wir den diplomatischen Status und mussten uns so nicht vor den ägyptischen Gerichten verantworten. Wofür auch???

Unser neuer Vermieter war genau das Gegenteil von dem, was wir gerade erlebt hatten. Er schenkte uns sogar die erste Monatsmiete, da er das Handeln seines Landmannes nicht verstehen konnte. Mit ihm hatten wir einen echten Glückgriff getan. Auch war es für ihn kein Problem, das man die Kaution am Ende der Mietzeit abwohnt, was hier ansonsten mehr als ungewöhnlich ist. Wir fühlen uns jedenfalls wohl in diesem Haus, obwohl der nächste Umzug schon ansteht.

Im August flogen wir nach Jerusalem, um uns eine Wohnung zu suchen. Am 14. September ging es dann für die nächsten zwei Jahre nach Israel, worauf speziell ich mich schon sehr freute. Kann ich mir doch hier alle die Plätze anschauen, die ich sonst nur vom Namen und aus der Bibel kenne.  Der einzige bittere Beigeschmack war die Tatsache, dass diese Versetzung sehr plötzlich kam und wir alles in sehr kurzer Zeit regeln mussten. So mussten wir unbedingt noch die Reise nach Luxor und Abu Simbel vornehmen, was gerade im August bei den Temperaturen sehr schwierig war. Hierzu kann man dann unter Reisen weiteres nachlesen.

Inzwischen wurden die Möbel gepackt, der Container beladen und unterwegs per Schiff nach Israel, wo wir in den nächsten zwei Jahren in Jerusalem leben werden. Wir packten unseren Wagen mit allen Kisten und Koffern, die bei einem solchen Unternehmen immer dabei sind, und machten uns auf den Weg. Der führte uns allerdings nicht direkt nach Jerusalem, sondern erst noch an den Golf von Akaba, wo wir auf der ägyptischen Seite noch 4 Tage in einem Hotel uns von dem Umzugsstress etwas erholten, bevor es dann ins Heilige Land ging.