Hausmann in Riad.
Die 7 Monate in Zagreb, von Februar bis September 1994, vergingen wie im Fluge. Es war Frühling, als wir dorthin kamen. Nach einigen Tagen im Hotel, mieteten wir uns eine kleine möblierte Wohnung an. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und Bad. Es war nichts Berauschendes, doch für uns, ohne Möbel und eigenen Sachen, reichte es aus. Der Umzug lagerte schon in einem Container bei der Spedition. Da es nur eine Durchgangsstation auf dem Wege nach Riad war, hatte ich als Hausmann ein herrliches Leben. Kaum kochen oder putzen, dafür jedoch viel Tennis.

Im Juli 1994 flogen wir zum ersten mal nach Riad. Mit dem Auto nach Wien und von dort der Flug in ein Land, das für die nächste Zeit unser Zuhause sein soll. Wir suchten eine Wohnung. Das Auswärtige Amt stellte dort den entsandten Bediensteten Häuser gegen Entgelt zur Verfügung. Wir hatten keine Wahlmöglichkeit. Es war eins der Häuser frei und das bekamen wir. Ausmessen der Fenster und Skizzen anfertigen war angesagt, damit man schon auf dem Papier erkennen konnte, was neu gekauft werden muss oder was eben gar nicht hinein passt.

Das große Stadion in Riad. Nach einem Kurzaufenthalt in Deutschland, der ausschließlich dem Zwecke des Neukaufs von Möbeln diente, flogen wir im September von Deutschland aus nun endgültig nach Riad. Die ersten Wochen wohnten wir in dem Hotel Alkhozama. Hier empfing uns der typische Hauch vom Orient. Pompöse Ausstattung, dicke Teppiche und riesige Leuchter, die uns schier erdrückten.

Doch schon bald traf der Container mit dem Umzugsgut ein und es ging ran an die Arbeit. Zwei Tage dauerte das Ausladen und Auspacken der großen Möbel. Solange die Leute der Spedition da waren, musste man deren Kräfte ja ausnutzen. Das Auspacken der Kisten und Kartons übernahmen wir selber. Da meine Frau jedoch ihrer Arbeit nachgehen musste, blieb mal wieder alles an mir hängen. Wenn man dann so am Abend auf sein Werk blickt und den Rücken nicht mehr gerade bekommt, weiß man, was man getan hat.

Irgendwann ist aber auch diese Arbeit erledigt und der Alltag holt einen ein. In diesem Fall bedeutete es für mich, sich mit den Örtlichkeiten vertraut zu machen. Wir wohnten in einem Viertel, welches nur über zwei Straßen erreichbar war. Diese Zugänge wurden, natürlich nur zu unserem eigenen Schutz, von der örtlichen Polizei bewacht.  Man machte keinen Schritt ohne Kontrolle.

Die Supermärkte hatten größtenteils alle 24 Stunden geöffnet. Das Warenangebot war riesig. Ich hatte nie wieder so viele Flaschen und Sorten an Ketchup gesehen, wie gerade dort. Unter einem Dach gab es dann alles. Lebensmittel, kleine Möbel und Wäsche. Die schönsten Dessous gab es dort, doch man sah so gut wie nie eine Frau, die diese Ware kaufte. Es waren, wie könnte es in diesem Lande anders sein, fast nur Männer. Es ergab schon ein eigenartiges Bild, wenn diese Männer dann Slip oder BH ohne ihre Frauen kauften. Natürlich sei noch erwähnt, dass es an dieser Theke, wie sonst überall auch, nur Verkäufer gab.

In den ersten Wochen, solange unser Auto noch im Zoll stand, lieh mir ein Deutscher, der seit etlichen Jahren dort lebte, seinen Jeep. Nur am Wochenende benötigte er ihn selber, da es dann damit in die Wüste ging. So war ich flexible und erfreute mich vor allem daran, dass der Kraftstoff damals nur 8 Pfennig pro Liter kostete. Da machte das Autofahren Spaß, auch wenn der Wagen so knappe 18 Liter gefressen hatte.

Da wir eine philippinische Maid hatten, beschränkte sich mein Tun auf das Kochen und Versorgen des Gartens. Mir blieb daher viel Zeit für meine Hobbys. Im Garten der Residenz gab es einen Tennisplatz, den ich ausgiebig nutzte. Allerdings mehr in den Abendstunden, da es unter Tage doch extrem heiß war. Alles in allem war mein Dasein als Hausmann hier auch nicht anders, als in anderen Ländern. Lediglich für Frauen war es schon unangenehm. Da dort die Frauen kein Auto fahren dürfen, musste ich also auch Fahrer spielen. Jede Besorgung durfte ich so begleiten.

Interessant war der Besuch von Restaurants. Hier gab es entweder nur die Möglichkeit, dass Männer willkommen waren, oder es gab eine sogenannte "Man-Section" und "Family-Section". Dort durften dann auch Frauen hinein. Wenn man zur "falschen" Zeit in einem solchen Restaurant war, so musste man zur "Prayer time" dieses wieder verlassen, da für die Gebetszeit geschlossen wurde. Nur ganz wenige schlossen ihre Türen und ließen die Gäste dann im abgedunkelten Raum bei einer Notbeleuchtung oder bei Kerzenschein ihre Speisen zu sich nehmen.

Das Ministerium des Innern in Riad.
Wir reisten viel im Land umher, da man sich völlig frei bewegen konnte. Egal, ob es der Trip in die Emirate war, oder die Fahrt nach Deutschland, die Fahrt zu Seen in der Wüste, zu den Narzissen nach der Regenzeit oder auch nur zum Picknick mit Freunden in die Wüste. Wir haben jede Fahrt und die Zeit dort genossen. Unter Hobby kann man zu den Reisen mehr erfahren.

Im September 1996 jedoch ließ mich mein oberster Chef, der Bundesinnenminister, wissen, dass meine Beurlaubung nicht mehr verlängert wird, da auf Grund einer internen Reform beim Bundesgrenzschutz jeder Mann auf seinem Platz benötigt würde. Also hieß es, die Zelte hier wieder abzubrechen. Wieder einmal stand ein Umzug an. Es war der 11. insgesamt. Doch diesmal ging es zurück nach Deutschland. Noch immer sehe ich die abgefahrenen Reifen des Lkw vor mir, auf dem der Container stand. Doch trotzdem ist alles gut gegangen und wir konnten einige Wochen später unser Umzugsgut an der neuen Wohnung in Bonn in Empfang nehmen.

Jetzt ging ich ab dem 1. November 1996 wieder einer geregelten Arbeit nach und wir mussten uns die Hausarbeit teilen. Meine Frau übernahm die Putzerei, dafür saugte, bügelte und kochte ich. Für drei Jahre sollte sich daran auch nichts ändern. Doch schon früh stellten wir beide die Weichen, um erneut hinaus in die weite Welt zu gehen. Im Jahre 1999 sollte es wieder soweit sein.