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Erste Station Tirana in Albanien.

Jetzt hieß es aber den Umzug organisieren. Für meine Frau stand als nächster Posten Albanien, Tirana an. Ihr Umzug wurde am 17.12.1991 gepackt und über Deutschland, wo mein Umzugsgut dazu kam, auf dem Landweg nach Tirana gebracht. Wir reisten kurz vor Weihnachten 1991 aus Thailand aus, verbrachten die Feiertage im Kreise der Familie in Deutschland und bereiteten uns darauf vor, mit dem Auto von Deutschland aus über Italien nach Tirana zu fahren. Dies war dann unsere erste Reise, über die ich an anderer Stelle gesondert berichten will.

Hier in Tirana musste ich also meine neue Tätigkeit als Hausmann beginnen. Ein Kollege, jetzt muss ich ja sagen ein ehemaliger Kollege, brachte uns zur Deutschen Botschaft, von wo aus wir in unsere Wohnung gebracht wurden, die gleich gegenüber lag. Die nötigsten Dinge hatten wir im Wagen mitgebracht und so richteten wir uns mit Luftmatratze und Gaskocher in einer fast leeren Wohnung ein und warteten darauf, das unser Umzugsgut ankommen würde.

Eingang Deutsche Botschaft Tirana.
Stand der Technik Januar 1992. Wer schon mal Camping gemacht hat kann in etwa nachvollziehen, wie wir dort lebten. Auf einer ausgebreiteten Wolldecke lagen unsere Sachen. Es war unser Kleiderschrank. Eine Doppelluftmatratze mit Schlafsack war unser Bett. In der Küche stand mein einflammiger Gaskocher, worauf ich unser erstes Mittagessen kochte. Überhaupt war dies eine Zeit, wo mein ganzes Organisationstalent gefragt war.

Regelmäßige Stromausfälle und Wasserabschaltungen waren an der Tagesordnung. Gab es keinen Strom, so gab es auch keine Heizung. Gab es keine Heizung, so war die Praxis eines albanischen Arztes im gleichen Haus geschlossen. Am Abend saß man dann mit winterlicher Kleidung vor seiner Suppe oder einem anderen Eintopf und ging früh zu Bett, da dort der wärmste Platz war.

Aber auch Camping in der eigenen Wohnung hatte einmal ein Ende. Der Umzugswagen war avisiert und wir holten ihn von der Fähre in Durrës, etwa 40 Kilometer westlich von Tirana, ab. Eine herzliche Begrüßung und die Freude darüber, dass alles wohlbehalten angekommen war, ließen uns wahre Luftsprünge machen. Die Fahrt zur Wohnung war nur noch ein Katzensprung und am nächsten Tag wurde der Lkw ausgepackt.

Wer schon einmal umgezogen ist weiß, was für eine Unordnung in den Räumen einer Wohnung entstehen kann. Da viele Neukäufe aus Deutschland im Umzugsgut waren, fehlte dort natürlich auch die Beschriftung auf den Kisten und Kartons. Kurz um frei nach dem Motto, nur ein Genie beherrscht das Chaos, ging es ans Werk. Die Fahrer halfen die ersten drei Tage, doch war ich danach auf mich selbst gestellt. Meine Frau ging ins Büro und ich "räumte auf"! Das Bild vermittelt vielleicht einen kleinen Eindruck dazu.

Das Chaos nach dem Ausladen.
Irgendwann war es jedoch geschafft und alles stand dort, wo es stehen sollte. Nun erst begann meine eigentliche Tätigkeit als Hausmann. Zwar kochte ich schon immer gerne, doch war diesmal alles anders. Nun musste ich kochen. Pünktlich um 12.30 Uhr kam meine Frau rüber zum Mittagessen. Bis dahin musste alles erledigt sein. Vorher also einkaufen. Das hieß auch, Geschäfte suchen und schauen, wo gibt es was. Das Land war gerade im Umbruch und die ersten freien Wahlen standen vor der Tür. Auf der Straße jedoch herrschte eine Zeit, wie man sie bei uns in Deutschland in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg erlebt hatte.

Leere Geschäfte, da noch staatlich. Der Verkauf fand auf der Straße statt. Es gab das, was gerade vom Feld oder den Bäumen kam. Lagerhaltung gab es nicht und Qualität konnte man nicht erwarten. Zwar hatten wir 8 cbm Lebensmittel auf Anraten von Freunden vor Ort in unserem Umzug dabei, doch kann man nicht alles mitnehmen. So fehlte es denn mal an diesen oder jenen Lebensmitteln. Brot und Schafskäse gab es immer. Wenn jedoch das Brot einen Tag alt war, war es nicht mehr genießbar. Der Käse kam aus einem Jutesack und sah nicht sehr appetitlich aus. So musste ich beim Kochen improvisieren und meistens aus der Dose zubereiten.

Bunkeranlagen am Strand in Leshe Eines Tages erfuhren wir, dass es eine Autostunde entfernt eine Schweinefarm gab. Da ich der einzige Hausmann war, nahm ich die Bestellung von Filet, Kotelett oder Schulter entgegen. Mit einem albanischen Fahrer machten wir uns auf den Weg. In einem moslemischen Land eine Schweinefarm? Wir konnten es uns immer noch nicht vorstellen. Doch gab sie es wirklich und die Schweine waren sogar gut im Futter. Doch einkaufen nach Liste war nicht möglich. Entweder ein ganzes Schwein oder zwei oder nichts. Also rechnete ich zusammen und orderte zwei Schweine.

Die waren schnell ausgesucht. Doch nun begann das, was man gemein hin als Schlachten bezeichnet. Human war das alles nicht. Mit einem Baseballschläger wurde den Tieren vor den Kopf geschlagen, wobei beim ersten Schlag meistens nicht richtig getroffen wurde, da die Tiere sich ja bewegten. Doch irgendwann waren sie betäubt und wurden zur Schlachtbank geschafft. Dort wurden sie dann getötet. Hier sah ich, wie man den Schweinen das Fell über den Kopf zog. Wie bei einem Kaninchen. Zum Schluss wurde der Kopf abgeschnitten, an dem die gesamte Haut hing.

Es kam sogar ein Veterinär und begutachtete die Schweine. Zwar gab es keinen Stempel, doch nahm er Fleischproben mit zum Labor. Erst als er sein o.k. gab, ging es ans Zerlegen. Nun wollte ich ja u.a. auch Filet haben. Keiner verstand mich. Sogar mit Hilfe des albanischen Fahrers wollte oder konnte man mich nicht verstehen. Bis einer der Metzger mich dann zum Schwein holte, darauf zeigte und mir mit dem Wort "Filet" zu verstehen gab, dass er nicht wusste, was ich meinte. So zeigte ich ihm, wo das Filet saß, was er dann voller Stolz herausschnitt und zu den anderen Fleischteilen legte.

Mit den so grob zerlegten Schweinen fuhren wir nach Hause. In der Botschaft ging es dann in die Küche, die fast wie Küche in der Gastronomie bestückt war. Dort zerlegte und portionierte ich dann gemäß meiner aufgenommenen Bestellung das Fleisch. Da ich nur ein Messer und keine Knochensäge hatte, blieben die Rippen am Kotelett dran. So sah das Kotelett eben aus, wie ein überdimensionales Lammkotelett. Fleisch am sehr langen Stiel, der Rippe eben. Es waren aber am Ende alle zufrieden, hatte doch jeder ein gutes Stück Fleisch bekommen und konnte sich so auf das nächste Mahl freuen.

Pracht aus alten Tagen am Strand.
Blick hinter das Wohnhaus. Wir konnten dort deutsches Fernsehen über eine Schüssel empfangen. Eine Abends gab es jedoch nur Rauschen zu sehen und zu hören. Der Hausmeister der Botschaft wurde eingeschaltet und der stellte sehr schnell fest, das an der Schüssel das Empfangsteil, das LNB, fehlte. Es war einfach abgeschnitten und entfernt worden. Irgend ein Albaner muss sich in der Nacht aus das Dach geschlichen und sich bedient haben. Ein neues Kaufen war nicht möglich, da in dem Land kein Ersatz vorhanden. Also wurde in Deutschland bestellt, worauf man etwa eine Woche warten musste.

Inzwischen wollte ein Handwerker der Botschaft einen Betonsockel für die Antenne auf dem Botschaftsgelände errichten und dort die Schüssel installieren. Doch gab es weder Sand, noch Kies noch Kalk oder Zement. Also fuhr ich mit einem Albaner, der war ehemaliger Tiefbauingenieur, mit einem VW-Bus, der voll war mit leeren Kisten, in Tirana von einer Baustelle zur anderen. Dort kannte der Albaner mal diesen und mal jenen. Doch überall bekamen wir etwas Sand, Kies, Zement oder andere Baustoffe, die wir für den Bau des Sockels dringend benötigten. So stand kurze Zeit später die Schüssel auf einem Sockel im Botschaftsgarten.

Die Versorgung in dem Land war damals mehr als schlecht. Alles, was man benötigte, kauften wir alle drei bis vier Wochen in Mazedonien ein. Dazu fuhr ein albanischer Fahrer in einem VW-Bus, in dem die hintere Sitzbank ausgebaut war, mit einem deutschen Sicherheitsbeamten der Botschaft als Beifahrer und maximal 3 Personen als Gäste in etwa 4 Stunden nach Ohrid.  Die Fahrt führte durch die Berge, in denen die ärmsten Albaner lebten. Die Hinfahrt verlief meistens ohne Probleme. Doch die Rückfahrt hatte es in sich. Alles was aus Ohrid kam war bis unters Dach vollgepackt mit Dingen, die der Albaner in den Bergen nicht hatte. So versuchte er mit allen Mitteln die Fahrzeuge anzuhalten.

Eine Variante war, dass man vom Rand aus mit zwei Personen eine lange Baumstange in die Straße hielt. Eine andere war, dass man Schafe oder Ziegen einfach aus die Straße trieb, um so das Fahrzeug zum Anhalten zu zwingen. Auch stand schon mal jemand am Straßenrand mit einem ziegelgroßen Stein in der Hand. Er streckte dann, wenn ein Auto vorbei kam, einfach die Hand aus und knallte den Stein oben rechts in die Windschutzscheibe. Hielt man dann an, war man sofort von einer Traube von Menschen umzingelt, die sich alle die Nasen an den Scheiben plattdrückten und bettelten. Uns ist Gott sei Dank nie etwas passiert, doch andere aus der Botschaft hatten da weniger Glück.

Von Zeit zu Zeit fuhren wir auch mit dem privaten Pkw zum Einkaufen nach Ohrid. Manchmal sogar nach Griechenland nach Florina. Erhofften wir uns doch hier einfach eine größere Auswahl an Lebensmitteln. Dies war auch der Fall. Es gab dort einen großen Supermarkt nach der Art, wie wir sie von Deutschland her kannten.

Zwei Jahre blieben wir in Albanien, bevor meine Frau auf einen anderen Posten versetzt wurde. Es war dies Zagreb, die Hauptstadt von Kroatien. Allerdings nur für 7 Monate. Danach ging es weiter nach Riad in Saudi Arabien. In solchen Ländern, wie es eben Albanien war, bekommt die Arbeit als Hausmann eine ganz besondere Note. Nicht nur kochen, putzen und andere häusliche Arbeit standen da auf dem Programm, hier war Organisation und Selbsthilfe gefragt. Eine Erfahrung der ganz besonderen Art konnte ich so machen.