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Sicherheits-Beamter an Auslandsvertretungen.

Teheran - Bangkok - Ankara

An den Auslandsvertretungen der Bundesrepublik Deutschland leisten Beamte des Bundesgrenzschutzes Dienst als Sicherheitsbeamte im Hausordnungsdienst. Kurz bezeichnet man sie als HOD-Beamte. Ende 1987 meldete ich mich auf eine solche Ausschreibung und absolvierte Anfang 1988 einen Kurzlehrgang in der Ausbildungsstätte des Auswärtigen Amtes auf dem Venusberg in Bonn. Da die Aufgaben nun doch um einiges davon abweichen, von dem was der BGS-Beamte sonst so macht, waren diese 3 Wochen durchaus erforderlich.

Nachdem jeder seinen Wissensstand in Form einer kleiner Prüfung nachweisen musste, wurden die ersten schon gleich nach Abschluss verplant. So sollte ich für 11 Monate nach San Salvador, die Hauptstadt von El Salvador, um an der dortigen Botschaft einen Kollegen zu ersetzen, der seine Zeit dort absolviert hatte. Zur damaligen Zeit war es nicht gerade ruhig dort und der Erfahrungsbericht der HOD-Gruppe las sich wie ein Wildwestroman. Einige Wochen später bekam ich die Nachricht, dass ich nicht dorthin soll, sondern nach Teheran in den Iran als Leiter der dortigen Gruppe sollte.

Hoheitsschild an den Botschaften.

Der Flug dorthin wurde wegen politischer Vorkommnisse, der dortige Botschafter war kurzfristig nach Deutschland einbestellt worden, mehrmals verschoben. Erst im Juni 1986 hatten sich die politischen Wogen wieder so geglättet, dass mein Flug konnte stattfinden konnte. Da auch die HOD-Gruppe wegen dieser Vorkommnisse auf ein Minimum reduziert worden war,  flogen mit mir noch 3 weitere Beamte, die die Gruppe wieder aufstocken sollten.
Eingangsbereich der Deutschen Botschaft in Teheran. Zu unseren Aufgaben gehörten u.a. die Einlasskontrolle an der Botschaft und der Residenz des Botschafters, Überwachung des Personenverkehrs innerhalb der Botschaft und der Objektschutz dieser beiden Gebäude. Das alles erfolgte in einem 24 Stunden Rhythmus. Das bedeutet, Dienstpläne schreiben, Kontrolle der Dienste, sicherheitstechnische Einweisungen der Bediensteten, regelmäßige Belehrungen über die aktuelle Sicherheitslage, diverser Schreibkram in personellen Angelegenheiten und noch so einiges mehr.

Durch den Schichtdienst, den wir alle leisten mussten, trat eine besondere Belastung bei jedem einzelnen Beamten auf. Dazu das Wissen, für 11 Monate hier bleiben zu müssen ohne die Möglichkeit, das Land zu verlassen. Auch waren die Reisen eingeschränkt und mussten vorher vom iranischen Außenministerium genehmigt werde. Dies war jedoch meistens nicht der Fall. Gott sei Dank ergab es sich, dass jeder Beamte nach 6 Monaten für 5 Tage nach Deutschland fliegen durfte und so eine kleine Erholung stattfinden konnte.

Die Stadt selbst konnte man nicht gerade als schön bezeichnen. Teheran liegt am südlichen Hang vom Elbursgebirge und wird so von 3 Seiten fast wie in einem U eingeschlossen. Dadurch bedingt findet kein regelmäßiger Luftaustausch statt. Dies hat zur Folge, dass die Luft sehr schlecht ist. Zwar gab es 1988 in der Stadt kaum Industrie, doch lieferten die Autos durch ihre Abgase und vor allem während der Heizperiode die Haushalte genügend Smog.

Untergebracht waren wir in einem Haus, wo einige alleine und andere zu zweit auf einem Zimmer wohnten. Solche Häuser waren von einer hohen Mauer umgeben, damit auch kein neugieriger Nachbar das Grundstück einsehen konnte und sich evtl. durch das, was er sah, gestört fühlte. Da es damals kaum Restaurants gab, die man als westlicher Besucher hätte aufsuchen können, blieb man zu Hause oder wurde eingeladen. So gab es damals eine sehr gut funktionierende kleine Deutsche Gemeinde, die sich regelmäßig zum Tennis traf oder aber auch viele Aktivitäten zu Hause ablaufen ließ.

Freiheitsdenkmal Azisi

Bei der Zubereitung der Maische. Im Herbst traf man sich z.B. zur Weinzubereitung. In Spitzenzeiten wurden einige Kilos an Weintrauben gekauft und auf der Terrasse einer Deutschen Familie zubereitet. Kaufen konnte man zwar Weintrauben, nicht jedoch Wein. Überhaupt gab und gibt es keinen Alkohol offiziell zu kaufen. Damals hatten wir Kontakt zu einem Laden, der Antiquitäten verkaufte. Dort bekam man auch Whisky, jedoch nur im Hinterzimmer. Eine Flasche Racke Rauchzart kostete damals 100,-- DM!!!

So also machten wir Wein und Bier selber. Bei der Zubereitung gab es dann Zwiebelkuchen und Most. Einige Tage später dann auch Federweißen. Wir machten überwiegend Rotwein, da Weißwein dort einfach nicht schmeckte. Bei einigen war es ein wirklich guter Tropfen, den man richtig genießen konnte. So lernten wir auch unser Bier selber zu machen. Alkoholfreies Bier gab es und Zucker auch. Hopfenextrakt und Hefe kam aus Deutschland. Nach etwa 6 Wochen war das Bier trinkbar. Richtig geschmeckt hat es jedoch nicht.

Bild an der Flughafenmauer 1988 Eine Besonderheit gab es damals. Es war die Zeit nach dem Städtekrieg gegen Bagdad. Das Flugabwehrfeuer von den Bergen konnte man am Abend gut erkennen, da es Leuchtspurgeschosse waren. Die Hetze gegen das Regime des Iraks führte dazu, das in der Nähe des Flughafens an einer Mauer Bilder gemalt wurden. Zwei davon stelle ich hier ein mal vor. Inzwischen sind die Bilder nicht mehr vorhanden. Fotografieren war damals dort zwar verboten, doch haben wir in der Gruppe es geschafft, an diese Bilder zu kommen. Bild an der Flughafenmauer 1988
Ansonsten versuchte man die Zeit dort, so es eben ging, zu überbrücken. Da gab es ein Mal im Monat ein Skatturnier. Jeden Freitag, das Wochenende dort war immer Freitag und Samstag, traf man sich auf einem eigenen Tennisplatz. Dort konnten dann auch die Frauen in ihrem gewohnten Tennisdress den Ball schlagen. Wir lernten Bridge und trafen uns dann regelmäßig zu kleinen Turnieren. Oder aber man machte Ausflüge in die Berge, da vor allem dort wieder die Frauen ohne Kopftuch und Umhang herumlaufen konnten. Der Bazar war ein ganz wichtiger Ort für uns. Dort tauschte man sein Geld auf dem Schwarzmarkt, da der Bankkurs um einiges geringer war. Insgesamt verging die Zeit auch in diesem recht schwierigen Land doch verhältnismäßig schnell und wie überall und bei allem kann man dann hinterher sagen, so schlimm war es doch gar nicht. Ich beim Preisskat.
Schlimm allerdings war folgende Situation. Drei Männer, wurden zu einem normalen Gespräch in Sachen Visa in die Botschaft gebeten. Dort baten Sie um Asyl. Dabei stellte sich auch heraus, dass sie nach eigenen Angaben Angehörige der PKK waren, und illegal mit Schusswaffengewalt über die Grenze gekommen sind. Auch, so die Männer, habe es Tote gegeben. Natürlich wurden diese Männer von uns sofort isoliert, auf Waffen durchsucht und separat in einem Raum außerhalb des Botschaftsgebäudes verbracht und von uns rund um die Uhr bewacht. Für die Dauer des Asylverfahrens und danach, welches übrigens abgelehnt wurde, durften wir diese Männer nicht vom Botschaftsgelände verweisen. Auch wollten sie nicht freiwillig diese verlassen.

Unser Nachbar war zufällig die Botschaft der Türkei. Beide Seiten hatten einen Schlüssel zu einem Fluchttor, das beide Grundstücke miteinander verbunden hatte. Bei einem kleinen Spaziergang im Botschaftsgarten mit dem Sprecher der Gruppe, der ein wenig Deutsch konnte, kamen wir an diesem Tor vorbei. Ich öffnete es und fragte ihn, ob er wüsste, was sich dahinter verbarg. Er verneinte und ich sagte es ihm. Das Entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Nun ging auf einmal alles sehr schnell. Es war ein Samstag und es gab nur eine Notbesetzung in der Botschaft. Der Sprecher machte mir deutlich, dass sie sofort das Botschaftsgelände verlassen wollten. Sie baten um einen Wagen mit Fahrer, der ich sein sollte. Natürlich sicherte ich mich ab, indem ich einen Kollegen bat, mit mir zusammen diese Aktion zu starten. Das Auto war ein kleiner Bus. Die Männer kamen mit Gepäck nach hinten und mein Kollege als Beifahrer versorgte sich mit Reizgassprühgeräten für den Notfall. Waffen mitzunehmen war nicht möglich.

Nach und nach verließen nun die Männer einzeln und im Gewühl der Stadt an vorher nicht bestimmbaren Punkten den Bus. Wir mussten sofort weiterfahren und nach deren Angaben so den nächsten Absetzpunkt anfahren. Auf diese Weise verließen alle den Bus und das Problem, welches für die Botschaft vorher bestand, wurde so auf einfache Weise gelöst. Hinterher fragte ich mich, warum ich nicht vorher auf den Gedanken gekommen bin, dem Sprecher der Gruppe das Fluchttor zur Botschaft der Türkei zu öffnen? Manchmal kann alles so einfach sein!
Meine nächsten Stationen als Sicherheitsbeamter waren danach Bangkok und Ankara.

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